Aufruf/Call

DE_NN_080318_023
English/Arabic short version below

My Body My Choice – Our* Riots Our* Voice”

Zum internationalen Frauen*kampftag werden wir laut und kämpferisch unter dem Motto: „My Body my Choice – Our* riots Our* voice“ auf die Straße gehen! Selbstbestimmung über die eigene Lebenssituation und den eigenen Körper sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Dass dies nicht der Fall ist, hat mit den aktuellen gesellschaftlichen Macht- und Unterdrückungsverhältnissen zu tun. Sie verhindern, dass Frauen* das Verhältnis zu sich und zu anderen so gestalten können, wie sie es wollen. Stattdessen sind sie, ihre Körper und ihre Tätigkeiten vielfältigen gesellschaftlichen Abwertungen ausgesetzt, die patriarchalen, rassistischen, heteronormativen und kapitalistischen Logiken entsprechen. My Body my Choice – Our* Riots Our* Voice ist eine Kampfansage gegen diese Herrschaftssysteme! Am 8., 9. und 10. März werden wir diese Verhältnisse angreifen und für eine solidarische Gesellschaft einstehen, in der alle so leben und lieben können, wie und wen sie wollen.

  1. My Body

„My Body my Choice“ ist eine Kampfansage an sexistische Angriffe, denen wir tagtäglich ausgesetzt sind. Unter sexuellen Übergriffen verstehen wir nicht ausschließlich Vergewaltigung und sexuelle Nötigung, sondern auch die ungewollte Hand auf unserer Schulter oder unangenehme Blicke. Dazu gehören nicht nur Handgreiflichkeiten, sondern auch verbale Äußerungen, auch wenn sie vermeintlich als Witz oder Kompliment formuliert oder gemeint sind. Was die sexistischen Kommentare von männlichen Spitzenpolitikern, Lehrkräften und Hollywoodregisseuren gemeinsam haben, ist, dass sie sich das Recht herausnehmen, unsere Körper als ihr Eigentum zu behandeln. Diese tägliche Gewalt gegen Frauen* ist Teil einer rape culture, welche durch mediale und öffentliche Darstellungen von Frauen* als Sexobjekte legitimiert und im Alltag reproduziert wird. Es ist eine gesamte gesellschaftliche Industrie, die unsere Körper zu Objekten macht und vorgibt, was als schön und begehrenswert gilt und was nicht. Dabei bestimmen patriarchale, rassistische und neoliberale Normen das Schönheitsideal eines schlanken, sportlichen, weißen, nicht-behinderten Körpers. Menschen, die diesem Ideal nicht entsprechen, sind ständigen Diskriminierungen ausgesetzt. Ihre nichtkonforme Erscheinung wird häufig als selbstverschuldetes Versagen ausgelegt, welches es zu verändern gilt. Wir stellen uns gegen diese Optimierungslogiken und gesellschaftlich wirkmächtigen Körpernormierungen als ein Ausdruck von männlich dominierten Herrschaftsverhältnissen. Wir wollen Widerstand gegen diese Zurichtung von Körpern leisten, die sich nicht nur in der Mode- und Fitnessindustrie, sondern auch in regulären Lohnarbeitsverhältnissen und auch in linken, selbstorganisierten Räumen und Gruppen finden.

  1. My Choice

Während Cis-Männer über ihre Körper entscheiden dürfen, gilt das für weibliche* nicht. Der aktuelle Fall der Ärztin Kristina Hänel zeigt, dass Schwangerschaftsabbrüche und deren Thematisierung in Deutschland weiterhin ein Tabu sind und kriminalisiert werden. Der Paragraf 219a Strafgesetzbuch stellt das Bewerben von Schwangerschaftsabbrüchen unter Strafe. Dieses Gesetz erschwert es Schwangeren, sich über Abbrüche zu informieren und frei zu bestimmen, wo und wie sie abtreiben können. Die Kampagne dritte Option hat 2017 mit ihrer erfolgreichen Klage gegen das Personenstandsgesetz einen wichtigen Erfolg insbesondere für non-binary- und Inter-Personen erzielt. Das Bundesverfassungsgericht hat anerkannt, dass es verfassungswidrig ist, Menschen durch ihre Geburtsurkunde und andere Ausweispapiere ausschließlich zwei Geschlechtern zuzuordnen. Auch wenn damit implizit anerkannt wird, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, werden immer noch operative Eingriffe an den Geschlechtsorganen von Kindern vorgenommen, um ihnen zwanghaft ein Geschlecht zuordnen zu können. Auf diese Weise wird Menschen das Recht auf die selbstbestimmte Wahl der eigenen Geschlechtsidentität verweigert. Allerdings ist noch unklar, ob Transpersonen, die sich einem der binären Geschlechter zuordnen, in juristischen Prozessen auf die dritte Option vertröstet werden und so weiterhin ihr gewähltes Geschlecht nicht anerkannt wird. Deshalb kämpfen wir weiter dafür, dass alle den Personenstandseintrag erhalten, der ihrer Identität entspricht!

  1. Our* Riot

Forderungen sind wichtig, ihre Erfüllung ist ein stetiger und harter Kampf für feministische Bewegung, damals wie heute und wir sind noch lange nicht am Ziel. Deshalb braucht es auch heute Feminismus als ernstzunehmende Gegenmacht in einem System, dass von patriarchalen, rassistischen, heteronormativen und kapitalistischen Machtdynamiken durchzogen ist und bestimmt wird. Als Feminist*innen haben wir das Privileg, viele Mütter und Großmütter zu haben, die sich dem Kampf gegen sexistische Strukturen verpflichteten und dabei enorme Wirkung erzeug(t)en. Unsere (Groß-)mütter haben vor hundert Jahren das Wahlrecht erstritten, sie haben dafür gekämpft, dass wir heute mit aller Selbstverständlichkeit studieren dürfen. Jetzt liegt es an uns, uns dagegen zu wehren, dass wir zwar zu den Hörsälen und Arbeitsplätzen zugelassen sind, aber nur bedingt zu den entscheidungstragenden Institutionen dieser Gesellschaft den gleichen Zugang haben wie weiße Cis-Männer. Stattdessen wird uns, vor allem denjenigen, die Kinder bekommen, immer noch allzu oft Heim und Herd als vermeintlich weiblicher Bestimmungsort zugeschrieben. Für die hier stattfindende Care-Arbeit gibt es ebenso wenig Anerkennung wie Geld, obwohl die gesamte Gesellschaft ohne sie nicht bestehen könnte. Grund hierfür sind patriarchale und ökonomische Verhältnisse, die reproduktive Arbeit für weniger wert erachten als produktive. Riot bedeutet für uns, laut und widerständig im öffentlichen Raum sichtbar zu werden, mit all unseren Forderungen, unserer Wut und unseren inhaltlichen Auseinandersetzungen und Widersprüchen. Die individuellen Erfahrungen mit Sexismus, Gewalt und Diskriminierungen müssen von uns konsequent strukturell eingeordnet und kollektiv bekämpft werden. Wir beziehen uns dabei positiv und solidarisch auf die politischen Kämpfe unserer Genoss*innen in Rojava und allen anderen Regionen, in denen sich Feminst*innen gegen Patriarchat, Kapitalimus, Männer*bünde, Unterdrückungsregime und die sexistische Gesamtscheiße zur Wehr setzen. Lasst daher die Tomaten an allen Orten der Unterdrückung sprechen am internationalen Frauen*kampftag.

  1. Our* Voice

Gerade weil wir nicht dem gesellschaftlich vorherrschenden Ideal des weißen, männlichen, autonomen Subjekts entsprechen wollen, sind wir in der Lage, solidarische Strukturen aufzubauen, füreinander zu sorgen und einzustehen. Nicht nur der Kampf in der Öffentlichkeit, sondern auch im scheinbar Privaten ist daher heute wie damals  unser feministisches Interventionsfeld. Black feminism hat uns gezeigt, dass wir eben nicht alle gleichermaßen von Sexismus betroffen sind, sondern Schwarze Frauen durch das Zusammenwirken von Rassismus und Geschlechterdiskriminierung auf eine besondere Weise herabgewürdigt und angegriffen werden. Auch Sexarbeiter*innen machen die Erfahrung von multiplen Diskriminierungsweisen tagtäglich. Das ‚Hurenstigma‘ würdigt sie zu Arbeiter*innen zweiter Klasse herab und verhindert die legitime Aushandlung ihrer kollektiven Interessenlagen im öffentlichen und politischen Raum. Wir sagen daher 100 Jahre Frauenwahlecht sind noch lange keine Befreiung! Wir brauchen heute mehr denn je feministische Kämpfe, die staatskritische, antikapitalistische und intersektionale Herrschaftskritiken konsequent zusammendenken und sich der unterschiedlichen Positionierungen und Möglichkeitsräume für unsere Kämpfe bewusst sind. Unsere kritischen Stimmen sind viele und sie werden am internationalen Frauen*kampftag laut auf den Straße zu hören sein.

 8. März Bündnis für queer-/feministische Kampftage (Ffm)

Bei Fragen schreibt uns an: achtermaerz_ffm@riseup.net

 *Wir[our] ist ein schwieriger Begriff, weil er Ein- und Ausschlüsse mit sich bringt. Wir als Bündnis meinen damit ein strategisches und solidarisches „Wir“. Denn queer-/feministische, emanzipatorische, antifaschistische, antikapitalistische und antirassistische Kämpfe mussten und müssen gemeinsam geführt werden. Wir wissen um die Unvollständigkeiten von Stimmen und Sichtbarkeiten auch in queer-/feministischen Kämpfen. Trotzdem und gerade deshalb leben und zeigen wir kollektiven Widerstand.

My Body My Choice – Our* Riots Our* Voice“

On the international and antinational women*’s combat day we we will demonstrate loudly and militantly with the slogan ‚My Body My Choice—Our* Riots Our* Voice‘! Self determination in respect of one’s own body should be a matter of course.  Power relations and social relations of oppression prevent women* from treating their bodies as they want to. Oppressed bodies are exposed to constant social devaluation. That’s part of the reason why ‚My Body My Choice— Our* Riots Our* Voice‘ is (a call out) an appeal/a call to arms to fight against the patriarchal, racist, heteronormative and capitalist system! We are going to attack these conditions on 8th, 9th and 10th of March with queer-/feminist combat days. And we will stand up for a (caring) solidly united society in which everyone is allowed to live and love the way they want to.  

March 8th Alliance for queer/feminist combat days (Ffm)

You can also write us via: achtermaerz_ffm@riseup.net

*’Our‘ is a difficult term because it produces inclusions and exclusions. We as an alliance use the term as a strategic and solidary ‚our‘. Queer-/feminist, emancipatory, antifacist, anticapitalist and antiracist fights have to be combated together. We know about the incompleteness of voices and visibilities also in queer feminist struggles. Anyhow Although and especially because of that we will live and demonstrate collective resistance.

في اليوم العالمي للمرأة نحن هنا وبصوت عالٍ مع شعار : جسدي اختياري – نحن هنا .. صوتنا في الشارع .
 ينبغي أن يكون تقرير مصير جسد المرأة أمرٌ عائدٌ لها بطبيعة الحال. وهذا ليس هو الحال الآن مع السلطة الاجتماعية الاضطهادية ؛ فهي تمنع المرأة من أن تكون قادرة على التعامل مع جسدها كما تريد، من بين أمور أخرى ، وتتعرض للاضطهاد من قبل هذه السلطة بشكل مستمر.
جسدي اختياري – نحن هنا .. صوتنا هو إعلان ضد هذا النظام الاضطهادي والعنصري والخوف من المثلية والرأسمالية الحالية.
في 8 و 9 و 10 آذار / مارس سوف نقف ضدها من أجل بناء وتكوين مجتمع متين حيث يمكن لأي شخص أن يعيش ويحب كما يحلو له.

 

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